„LebensLinien“ – Eine Biographie

Im Jahr 1977 saß ich in einem ziemlich dunklen Raum einer Wohnung in der Scharnhorststraße in Berlin-Mitte und wurde von einem der berühmtesten Künstler der DDR, Arno Mohr, porträtiert.

„ab“
Arno Mohr, 1977, Kohle auf Papier

Mein Vater arbeitete damals mit Mohrs Sohn, der auch Arzt ist, zusammen im Krankenhaus im Friedrichshain, und hatte dieses „Projekt“ organisiert. Es war sicherlich etwas verwegen, denn Mohr war sehr bekannt, zeichnete zwar Porträts von Bertolt Brecht und Helene Weigel, machte aber eigentlich keine Auftragsarbeiten.

Auf diese Weise entwickelte sich bei mir eine besondere Wahrnehmung der Kunst durch die persönliche Verbindung zum Künstler, die mich bis heute fasziniert und Motivation geworden ist. Im Laufe der Jahre entstand auf dieser Grundlage eine Sammlung von zahlreichen Kunstwerken.

Irgendwann wurde mir klar, dass sich fast alle Bilder und Exponate meiner Sammlung in einen biografischen Zusammenhang zu meinem eigenen Leben bringen lassen. Dabei spielt es gar keine Rolle, wann oder mit welcher Intention diese entstanden sind.

So entstand die Idee, eine Ausstellung zu machen. Jedes Kunstwerk hat hierbei für mich eine besondere persönliche Bedeutung, die vom Kunstwerk selbst, seiner Verbindung zu meinem Leben, aber auch von der direkten Beziehung zur Künstlerin oder zum Künstler getragen wird. Diese Bedeutung erschließt sich dementsprechend nicht von selbst und ist natürlich auch nicht allgemeingültig. Auf diese Weise ist eine Art Biographie in Bildern und Kunstwerken entstanden, die nicht vollständig ist und sich auf die letzten 5 Jahre konzentriert. Die Ausstellung der Kunst wird dadurch selbst zur Kunst. Deshalb entsprechen auch die Titel der Kunstwerke meiner eigenen Interpretation bzw. ihrer „biografischen Bedeutung“.

Ich wünsche viel Spaß beim Betrachten der Fotos von den Bildern und Kunstwerken, beim Lesen der zugehörigen Texte, beim Nachdenken, nachdenklich werden oder auch nicht.

KunstRaumBerlin
Rundgang 1
Rundgang 2
Rundgang 3
Rundgang 4
Rundgang 5

Als kleiner Junge im Kindergarten, das war so 1973, hatte ich sehr oft den sogenannten „Türdienst“, um Eltern, die ihre Kinder abholten, die Tür zu öffnen. Da ich sehr oft das letzte abgeholte Kind war, durfte ich diesen „Service“ sehr oft leisten. Über der Tür hing eine Uhr, deren typisches lautes Klicken im Minutentakt hier nachvollzogen werden kann.

„Die Uhr“ oder „Wie die Zeit vergeht“

Es war die berühmte „Liebe auf den ersten Blick“, als ich im Jahr 2005 bei einem Spaziergang im Kollwitz-Viertel in einer Galerie in der Husemannstraße dieses Bild entdeckte. Der Preis war hoch, sodass die Entscheidung für den Kauf trotz der Freundlichkeit der Künstlerin einige Zeit gedauert hat. Nachdem das Werk infolge Trennung und Scheidung vorübergehend nicht in meinem Besitz war, konnte ich es vor einigen Jahren erneut kaufen.

„ABSTAND UND NÄHE“
Klio Karadim, Berlin, Bienenwachs auf Holz

Es gibt ja diesen Spruch, dass ein Leben ohne Katzen zwar möglich, aber sinnlos sei. Das ist wahrscheinlich etwas übertrieben, zumal ich auch Hunde mag. Meine beiden „StubenTiger“ begleiten mich aber nun seit mittlerweile 11 und 12 Jahren und ich bin sehr froh, sie zu haben.

„TIGER MIT ENTE“
Arno Mohr, 1972

Wenn 2 Menschen auf einem gemeinsamen Gleis unterwegs sind, ist das eine stabile Grundlage! Jeder bewegt sich dabei auf seiner eigenen Schiene und es kommt bei Problemen nicht zu einer direkten Kollision. Allerdings bleiben sie auf diese Weise auch immer auf Distanz und Entgleisungen sind leider nicht ausgeschlossen …

„MODELL EINER EHE“ 2009
Elisabeth Schuller-Köster, Oldenburg

Manchmal tritt ein Mensch ins Leben und man bekommt nie wirklich heraus, welche Bedeutung das hatte. Ich habe mich oft gefragt, ob es am falschen Zeitpunkt, Verhalten oder doch unzureichender Verträglichkeit lag? Ich musste lernen, zu akzeptieren, manchmal keine Antwort zu bekommen.

„RÜCKENANSICHT“
Hein Driessen, Mallorca

Das Rote Kreuz steht weltweit als Symbol für Medizin. Dieses Thema beschäftigt mich über meine Eltern schon mein gesamtes Leben, konkret aber seit 1990. Zunächst als pflegerische Hilfskraft auf der Intensivstation, dann als Student, Arzt im Praktikum, Assistenzarzt, Facharzt für Urologie, Oberarzt und mehr als 10 Jahre als leitender Oberarzt der Urologie im Krankenhaus im Friedrichshain.

„MEDIZIN“
Thomas Kahrel, Lissabon

Als Urologe ist man spezialisiert auf Erkrankungen der Nieren und ableitenden Harnwege bei Frauen und Männern sowie der männlichen Geschlechtsorgane. Einen großen Teil der Arbeit im Krankenhaus machen Operationen aus. Dieser historische mechanische Blasensteinlithotripter zur direkten Zerkleinerung von Harnblasensteinen steht als Symbol für insgesamt 20000 Operationen, die ich im Verlauf von 20 Jahren durchgeführt habe.

Mechanischer Blasensteinlithotripter

Das Thema „Maske“ war während meiner gesamten beruflichen Tätigkeit bei annähernd 50000 Stunden im Operationssaal von Bedeutung. Aktuell ist es das Hauptthema in der gesellschaftlichen Diskussion im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

„DIE MASKE“
Thomas Kahrel, Lissabon

Viele Menschen haben eine Lieblingsfarbe. Als Kind war das bei mir gelb. Ich hatte einen gelben Eierbecher, der aber nicht die Form eines Huhns hatte, und einen echten „Ostfriesen-Nerz“. Später dachte ich, es wäre schwarz, wobei Expertinnen und Experten jetzt natürlich sagen werden, schwarz sei keine Farbe. Trotzdem zog sich das Thema durch mein Leben. Wenn man die Dinge nur schwarz oder weiß sieht, konzentriert man sich einerseits auf das Wesentliche, auf Konturen oder Inhalte. Damit kann man zurechtkommen, denn es funktioniert.

„WEISS UND SCHWARZ“
Jochen Maiwald, Mallorca

Andererseits gehen dabei viele Details und die vielen schönen Farben verloren, die zum Genuss und Leben gehören.

„SEI ANDERS – SEI GLÜCKLICH“
Jochen Maiwald, Mallorca

Im zweifarbigen Modus fällt es auch schwerer, mit Verlusten umzugehen, denn schwarz ist nun mal sehr dunkel! Deshalb habe ich mich 2015 entschieden, einen neuen Weg zu gehen. Ich hatte keinen Plan, aber manchmal hilft dann auch ein schönes grau.

„GRAUE EINSAMKEIT“
Jens Junge, Berlin,
www.NICHTLICHT.com

Ein neuer Anfang ist fast immer mit einer neuen Umgebung verbunden. Man sieht die Dinge dann zumindest vorübergehend mit „anderen“ Augen. In meinem Fall führte es mich in eine schöne Dachgeschosswohnung im SamariterKiez direkt an der namensgebenden Kirche.

„BLICK AUS DEM FENSTER“
Greg Krouse, Berlin

Ich dachte, was kann es Schöneres geben als Licht und Farbe? Man lässt sich dann schnell blenden, weil man denkt, es sei die „richtige Farbe“ für das eigene Leben. Ich musste erleben, dass es nicht funktioniert hat, sehe es aber nicht als Fehler, sondern Erfahrung.

„GRÜNE VERSUCHUNG“, 2015
Kalil Gaby, Lissabon
„GRÜNER VERSUCH“
Justine Slawik, Berlin

Leider reichte die „schlechte“ Erfahrung allein nicht aus, etwas an meinem eigenen Verhalten zu ändern. So bin ich wieder in alte Muster verfallen, auch wenn sich diese zuvor gar nicht nachhaltig bewährt hatten. An diesem Punkt hätte besser die Erkenntnis stehen können, es nicht allein zu schaffen …

„SCHWARZ UND WEISS“
Kalil Gaby, Lissabon

Das war leider keine schnelle Erkenntnis, sondern ein Prozeß, der Zeit brauchte und nicht ohne emotionale Verluste einherging.

„ZEIT DER ERKENNTNIS“
Ulpiano Capalbo, Lissabon

Meine Frau und ich kennen uns seit einigen Jahren. Der Weg zueinander war nicht der kürzeste und schnellste, aber seitdem ist er das gemeinsame Ziel! Das ist ein Glück!

„SELBSTBILDNIS“
Cynthia Schirmer (2004), Berlin
„RÜCKSICHT“
Gordon Schirmer Berlin
„TANZ DES LEBENS“, Warnemünde, Juni 2017
Justine Slawik, Lissabon

Im Juni 2017 stand ich mit meiner neuen Freundin und gebrochenen Beinen auf dem Flughafen von Lissabon und bekam jene Information, die bedeutete, dass ich Krebs habe. Glück und Unglück liegen oft dicht beieinander ….

„WELLEN VON LISSABON“, Juni 2017
Justine Slawik, Lissabon

Ich bin Arzt geworden, um „auf der richtigen Seite der Spritze“ zu stehen. Es gehörte definitiv nicht zum Plan, selbst krank zu werden! Leider hält sich das Leben nicht an Pläne, sodass ich die Seiten wechseln musste.

„KREBS“
Brigitte Möller vom Böckel, Schmiedenfelde

Der Kampf gegen den Krebs kostete viel Kraft. Die Operation und ein Verlauf mit Komplikationen waren sehr anstrengend. Trotzdem konnte ich mich körperlich gut erholen und schnell wieder arbeiten gehen. Leider ging es mir trotzdem nicht gut …

„SCHWARZ MIT SCHIMMER“
Justine Slawik, Berlin

Nachdem das tiefe und dunkle Tal durchschritten war, hatte ich das Glück, Licht und Farben sogar besser als vorher sehen und auch meine wirkliche Lieblingsfarbe, blau wie Himmel und Wasser, entdecken zu können.

„BLAUE VERÄNDERUNG“
Greg Krouse, Berlin

Nach mehr als 30 Jahren im Krankenhaus im Friedrichshain wurde eine Änderung notwendig. Die Umstände nach meiner längeren Erkrankung waren sehr unerfreulich, sodass es keine Alternative gab.

„ABSCHIED“
Greg Krouse, Berlin
„ABSCHIED“
Arbeitsschuhe am „Nagel“

Die Entscheidung, wesentliche Dinge im eigenen Leben zu ändern, fiel mir nicht leicht. Die Umsetzung brauchte Zeit, zumal nicht jede Idee zum Plan wird und nicht jeder Plan funktioniert.

„STÜRMISCHER NEUANFANG“
Greg Krouse, Berlin

Eine Reise ans andere Ende der Welt war eine der besten Ideen, die schnell zum Plan und Ende 2018 Realität wurde.

„GLOBUS“
Uropa Burmeister

Nach einem Zwischenstopp in Melbourne begann unsere Reise nach Neuseeland Anfang Dezember 2018. Wir erlebten dort gleich zu Beginn den persönlichen Höhepunkt der Reise, unsere Hochzeit in Pauanui auf der Halbinsel Coromandel im Nordosten der Nordinsel!

„HOCHZEIT“
13.12.2018, Elisabeth Pattke

Es war die Erfüllung eines Traumes, nach unserer Hochzeit für 3 Monate durch dieses wunderschöne Neuseeland, Aotearoa, zu reisen. Wir hatten unseren kleinen Campervan „Bam Bam“, sind damit ca. 12000 km durchs Land gefahren und haben fast alle Gegenden auf beiden Inseln kennengelernt.

„MONAT 1“
Daniela Schwabe, Amsterdam
„MONAT 2“
Daniela Schwabe, Amsterdam
„MONAT 3“
Daniela Schwabe, Amsterdam

Diese Reise war für uns einerseits eine notwendige Unterbrechung, andererseits aber auch Brücke zwischen dem vorherigen und zukünftigen Leben. Die geografische Distanz und zahlreichen Erlebnisse in dieser Zeit erzeugten den nötigen Abstand, um viele Dinge aus anderer Perspektive betrachten und Entscheidungen treffen zu können.

„NEUE PERSPEKTIVEN“
Justine Slawik, Berlin

So habe ich mich nach mehr als 20 Jahren als Arzt entschlossen, zusätzlich eine Ausbildung zum ärztlichen Psychotherapeuten zu absolvieren. Das hat in der verhaltenstherapeutischen Spezialisierung gar nichts mit einer Couch, dafür aber, zumindest zu Beginn, sehr viel mit Theorie zu tun …

„NEUER ARBEITSPLATZ“
Thomas Kahrel, Lissabon
„ERLEUCHTUNG“
Thomas Kahrel, Lissabon

Nachdem wir in Neuseeland allein, nur im Beisein der Hochzeitsagentin und 2 Trauzeuginnen, geheiratet haben, konnten wir im Juni 2019 mit Freunden und Familie am Orankesee in Berlin

„FEIER MIT VIELEN GRÜNDEN“, 7. Juni 2019, Orankesee, Berlin
Justine Slawik, Berlin

und eine Woche später am Wandlitzsee nördlich von Berlin feiern.

„HOCHZEITSTANZ“, 15. Juni 2019, Wandlitz
Justine Slawik, Berlin

Anfang des Jahres 2020 führte uns eine Reise zum Ende der Welt, zumindest zu Zeiten des Mittelalters. El HIERRO, diese Insel westlich von Afrika, kleinste und südwestlichste der Kanaren, ist ein kleines Paradies. Es gibt dort wahrscheinlich auch die schönsten Wellen der Welt.

„EL HIERRO“
Justine Slawik, Berlin

Im Frühjahr 2020 startete eine Initiative zur Bewässerung der Bäume sowie Betreuung der Kinder auf einer Spielstraße in unserem Wohnviertel, dem SamariterSuperKiez. Ich habe mich sehr gern engagiert, viele neue Menschen kennengelernt, dabei auch einen ganz besonderen Geburtstag feiern können.

„BLAUER GEBURTSTAG“, 7. Juni 2020
Justine Slawik, Berlin

Fast auf den Tag 3 Jahre nach unserer ersten Reise nach Lissabon führte uns unser Weg im Juni 2020 wieder in diese wunderschöne Stadt zwischen Atlantik und Fluß Tejo. Im Gegensatz zu 2017 konnte ich diesmal die vielen Straßen auch zu Fuß erkunden.

„BODEN“
Jonathan Markish Lissabon

Lissabon ist eine der wenigen Städte, in denen ich gern leben würde. Es ist modern, hat trotzdem Charakter und Charme einer alten Stadt.

„TISCH DES LEBENS“
Ulpiano Capalbo, Lissabon

Mit dieser zweiten Reise nach Lissabon schließt sich ein Kreis. Seit der ersten ist sehr viel passiert, haben sich viele Dinge verändert …

„BRÜCKE ÜBER UNRUHIGES WASSER“
Justine Slawik, Lissabon
„BLAUE HYSTERIE“
Justine Slawik, Lissabon

Die Zukunft kann vielleicht etwas ruhiger werden?!

„RUHE NACH DEM STURM“
Daniela Schwabe, Lepizig

2 Kommentare zu „„LebensLinien“ – Eine Biographie

  1. Hallo Dr.Bick, bin durch Zufall auf diese Seite gestoßen und freue mich , dass es Ihnen wieder gut geht. Habe heute gerade Katrin gefragt, ob sie etwas von Ihren gehört hat.
    Sie haben zur richtigen Zeit, die richtige Entscheidung getroffen. Glückwunsch.
    Ich lese Sie wohnen in Wandlitz, so scheinen wir fast Nachbarn zu sein . Wir wohnen mitterweile über 20 Jahre in Basdorf.
    Vielleicht treffen wir uns zufällig mal bei Rewe….oder am See beim Italiener, wenn es wieder geht.
    Bleiben Sie gesund. Alles richtig gemacht.
    Mit herzlichen Grüßen
    Petra Schlage KFH ZOP.

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    1. Hallo Petra,
      das ist ja eine Überraschung!
      Unser Umzug ist noch ganz frisch! Seit einem Monat leben wir nun hier, haben die schöne Schnee-Zeit dadurch aber auch noch mitbekommen.
      Es ist eine völlig neue Lebensqualität schon nach dieser kurzen Zeit!
      Sowohl REWE als auch Italiener am See kommen mit hoher Wahrscheinlichkeit als zufälliger Treff-Punkt infrage, da ich erst heute dort war.
      Ich denke sehr oft an das KFH, aber bereue den Weggang nicht. Es gibt dadurch viele neue Möglichkeiten.
      Bleiben Sie auch gesund!
      Herzliche Grüße

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